Es begann mit der Z11

Geschrieben am 22.06.2021 von

Der heutige 22. Juni ist der 111. Geburtstag von Konrad Zuse. Er erinnert außerdem daran, dass vor 65 Jahren die ersten serienmäßigen Computer der Zuse KG ihren Dienst antraten. Die Relaisrechner vom Typ Z11 liefen bei der Firma Carl Zeiss in Oberkochen und im Agfa-Camerawerk in München. Insgesamt wurden knapp fünfzig Stück von ihnen gebaut.   

Im Mai feierten wir im Blog den Computer Z3, den Konrad Zuse vor achtzig Jahren in Berlin einschaltete. 1945 stellte er das Nachfolgemodell Z4 fertig. Vier Jahre später gründete er in Hessen die Zuse KG. Ihr erstes Produkt war der Rechenlocher M9, den sie für die Schweizer Tochterfirma des Remington-Rand-Konzerns baute. Er las Daten von Lochkarten, führte auf Stecktafeln festgelegte Anweisungen aus und stanzte die Resultate in die Karten. 1953 lieferte die Zuse KG den Computer Z5 an die Optischen Werke Ernst Leitz in Wetzlar.

Zur gleichen Zeit konstruierte der Geodät Heinrich Seifers in seiner Heimatstadt München einen Rechenautomaten. Der SM 1 arbeitete mit elektromagnetischen Relais wie die Geräte von Konrad Zuse; 1954 ging er im Flurbereinigungsamt der bayrischen Hauptstadt in Diemst. Das Buch „Rechnen mit Maschinen“ von Wilfried de Beauclair bringt ein Foto; es ist das Bild unten auf Seite 90. Auf Seite 3 von diesem Artikel sehen wir Heinrich Seifers. Er sitzt im weißen Kittel an der Z11.  (Die Angabe „SM11“ in der Bildunterschrift ist nicht korrekt.)

Die Zuse Z11 im Deutschen Technikmuseum Berlin erlaubt Blicke ins Innere. Links steht die elektrische Schreibmaschine für die Ausgabe. (Foto JuergenG CC BY-SA 3.0)

Die Z11 war die Serienausführung des SM 1, die in der Zuse KG entstand. Die Grundversion arbeitete mit 1.665 Relais und 28 Drehwählern fest verdrahtete Programme für Geodäsie, Flurbereinigung und Optik ab. Pro Sekunde schaffte der Rechner fünf Additionen, zwei Multiplikationen oder eine Division. Zahlen gab man über die Tastatur ein; die Ausgabe erfolgte mit einer Schreibmaschine oder per Lochstreifen. Die Z11 besaß 26 Speicherzellen. Der Anschluss einer Lochstreifensteuerung machte sie zum Universalrechner.

Die Entwicklung des Computers begann 1954. Wann aber gelangte er an einen Kunden? Im Archiv der Carl Zeiss AG in Jena findet sich ein Angebot der Zuse KG vom 16. Februar 1955; es ging an das Zeiss-Unternehmen, das nach Ende des Zweiten Weltkriegs im schwäbischen Oberkochen gegründet wurde. Darin versprach der Hersteller eine Z11 für das Frühjahr 1956. Weitere Akten belegen den Betrieb des Computers bei Zeiss im Juni 1956. In den Unterlagen trägt er die Bezeichnung Z11/1.

Die ersten zehn Bestellungen (Bild Konrad Zuse Internet Archive CC BY-NC-SA 3.0 DE seitlich beschnitten)

Eine spätere Auflistung der Zuse KG – siehe oben – setzte allerdings einen anderen Nutzer an die Spitze. Demnach kam die erste Z11-Bestellung vom Agfa-Camerawerk in München. Im Archiv des Werks, das bei der Bayer AG in Leverkusen liegt, ist aber nichts zur Z11 erhalten. Es könnte also sein, dass die erste tatsächlich ausgelieferte Maschine in Oberkochen stand. Einigermaßen sicher ist, dass Zuse 48 Anlagen mit einem Stückpreis von rund 100.000 DM baute. Die meisten von ihnen arbeiteten in Deutschland und Österreich, eine ganze Anzahl jedoch im Ostblock. Schon die vierte Maschine der Liste war für Japan bestimmt.

Die Z11 war der erste deutsche Seriencomputer, darin liegt ihre Bedeutung. Es erstaunt der Erfolg, den ein Relaisrechner hatte, als die Standardmodelle Elektronenröhren enthielten und Transistormaschinen vor der Tür standen. Das Vermessungsamt der Stadt Hamburg legte sich etwa im Oktober 1958 eine Z11 zu und betrieb sie an fünf Tagen in der Woche von 7:30 bis 24:00 Uhr. Im gleichen Jahr drehte der Hessische Rundfunk einen Fernsehbericht mit Konrad Zuse und der Z11; am Ende erscheint auch der neue Röhrenrechner Z22.

Ein frühes Foto wohl auf einer Messe (Bild Konrad Zuse Internet Archive CC BY-NC-SA 30 DE)

Vor genau 111 Jahren wurde Konrad Zuse vor den Toren Berlins geboren, im damals noch eigenständigen Wilmersdorf. Zur Feier des Tages folgt ein Link zu einem biografischen Film, den der Schweizer Mathias Knauer 1990 fertigstellte. Er führt nicht zu einem Video, sondern zum Textbuch, doch auch solch eine Lektüre kann Spaß machen. Unser Eingangsbild zeigt natürlich eine Z11, nämlich diejenige des HNF. Bei Marte Schwabe vom Unternehmensarchiv der Carl Zeiss AG und bei ihrer Kollegin Janine Reinert in der Bayer AG bedanken wir uns für die fachlichen Auskünfte.

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Ein Kommentar auf “Es begann mit der Z11”

  1. Danke für den interessanten Artikel, der noch mal unterstreicht, wie früh Digitalisierung in Deutschland eigentlich begann. Dass sich im Unternehmensarchiv von Bayer nichts über die Z11 findet, muss allerdings keineswegs heißen, dass es bei AGFA keine solchen Maschine gab. Ein wunderbares Quellen Dokument der Digitalgeschichte ist der Film des hessischen Rundfunk über Konrad Zuse und seine frühe Fertigung. Vielen Dank dafür!

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