Happy Birthday, Margaret Hamilton!

Geschrieben am 17.08.2021 von

Am 20. Juli 1969 landeten die ersten Menschen auf dem Mond. Neil Armstrong und Edwin Aldrin griffen dabei auf den Computer in der Landefähre zurück. Seine Software kam vom Massachusetts Institute of Technology; Projektleiterin war die Mathematikerin Margaret Hamilton. Nach der Arbeit für die NASA gründete sie zwei Firmen. Sie feiert heute ihren 85. Geburtstag.   

Raumfahrt war lange Männersache, jedenfalls in den USA. Die NASA stellte erst ab 1978 Astronautinnen ein; auch Ingenieurinnen waren selten. Als in Cape Kennedy die Saturn-Rakete mit der Apollo-11-Kapsel zum Mond startete, saß im benachbarten Kontrollzentrum nur eine einzige Frau, die 28 Jahre alte JoAnn Morgan.

Eine weitere Apollo-Expertin verfolgte den Flug im Massachusetts Institute of Technology MIT in der Nähe von Boston: Margaret Hamilton. Geboren wurde sie am 17. August 1936 als Margaret Heafield im Städtchen Paoli im US-Bundesstaat Indiana; später zog die Familie nach Michigan. Sie studierte Mathematik an der Universität von Michigan und danach an einem College in Indiana; dort machte sie 1958 den Abschluss. Im selben Jahr heiratete sie ihren Kommilitonen James Hamilton, mit dem sie nach Boston zog.

Margaret Hamilton 1969 mit ausgedruckter Software für den Mondflug

Im MIT erhielt Margaret Hamilton einen Job beim Mathematiker und Meteorologen Edward Lorenz. Er benutzte Computer, und sie lernte das Programmieren der LGP-30 und der PDP-1 von Digital Equipment. 1961 wechselte sie an einen Großrechner des Typs AN/FSQ-7, der im Lincoln-Labor des MIT zum Projekt SAGE gehörte. Ab 1965 arbeitete sie im Instrumentation Lab der Hochschule. Dieses konstruierte für die NASA die Computer für die Kapsel und die Landefähre des Apollo-Programms, das Menschen zum Mond bringen sollte.

Margaret Hamilton erwarb sich den Ruf, selbst die kompliziertesten Programme zu verstehen und zum Laufen zu bringen. Außerdem interessierte sie sich für die Fehler, die im Rechner auftreten könnten, sei es durch Software-Schnitzer oder aufgrund falscher Bedienung. Ihr Engagement wurde belohnt. Sie übernahm die Leitung der Gruppe, die die Software für die Apollo-Computer entwickelte. Auch im Privatleben änderte sich einiges. Sie ließ sich 1967 scheiden und heiratete zwei Jahre später ihren MIT-Kollegen Dan Lickly.

Die Unternehmerin im Jahr 1989

Bei den Mondflügen von 1968 bis 1972 funktionierten die Bordrechner tadellos. Am 20. Juli 1969 kam es aber zu einer kritischen Situation, als der Computer in der Landefähre von Neil Armstrong und Edwin Aldrin eine Überlastung anzeigte. Die Bodenstation erkannte zum Glück, dass keine Gefahr vorlag, und die Fähre landete erfolgreich. Ihr Rechner wurde so programmiert, dass er bei zu vielen Aufgaben die unwichtigen übersprang. Verantwortlich dafür war der MIT-Ingenieur Hal Laning, doch ging in die Software ebenso Hamiltons Streben nach Fehlervermeidung ein.

Im Jahr der Mondlandung entstand das bekannteste Foto von ihr. Es zeigt sie neben einem Stapel von Programm-Ausdrucken ihrer Arbeitsgruppe. Im Eingangsbild oben, das aus der gleichen Zeit stammt, liegt sie in einem Simulator der Apollo-Kapsel. Die Fotos gehören zu einer Serie, die die Pressestelle der Hochschule aufnehmen ließ. Margaret Hamilton blieb noch einige Jahre im MIT-Labor, das ab 1970 Draper Laboratory hieß und 1973 selbständig wurde. Unter anderem befasste sie sich mit den Computern der Raumstation Skylab.

2016 erhielt Margaret Hamilton von Präsident Obama die Freiheitsmedaille. Rechts sitzen Robert Redford und Tom Hanks, links applaudiert Melinda Gates.

1976 gründete sie die Firma Higher Order Software. Hier verwertete sie die Erfahrungen in der Softwareentwicklung, die sie im MIT sammelte. 1986 startete sie ein zweites Unternehmen, Hamilton Technologies. Gelegentlich liest man, dass Margaret Hamilton auch den Ausdruck „Software Engineering“ erfand. Es ist durchaus möglich, dass sie ihn früh kannte und benutzte, populär wurde er jedoch durch die gleichnamige Tagung, die 1968 in Bayern stattfand. Hier ist sie in einem Video zu sehen, aufgenommen 2018 im schwedischen Göteborg; sie spricht ab Minute 4:30.

Die NASA vergaß Margret Hamilton nicht. 2003 bekam sie einen Preis für wissenschaftlich-technische Verdienste und dazu 37.200 Dollar. 2016 erhielt sie die Freiheitsmedaille des Präsidenten, den höchsten zivilen Orden der USA. Die originellste Auszeichnung war ohne Zweifel ihre Aufnahme unter die LEGO-Minifiguren. Sie gehörte 2017 zu dem Quartett der NASA-Frauen. Wir gratulieren Margaret Hamilton herzlich zum 85. Geburtstag und wünschen ihr Gesundheit und alles Gute.

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