15. Februar – Festtag für Computer

Geschrieben am 15.02.2022 von

Am 15. Februar 2021 wurde der erste „World Computer Day“ gefeiert: 75 Jahre zuvor ging der Elektronenrechner ENIAC in Betrieb. 2022 steht ein Mikroprozessor im Mittelpunkt. Der MOS 6502 lief in Heimcomputern, Spielkonsolen und einem Schuh, der beim Roulette half. Das HNF beteiligt sich am Welttag mit Videos zum Chip und zum Rechner Apple I.

Vor einem Jahr schrieben wir über den 75. Geburtstag des ENIAC: der elektronische und programmierbare Digitalrechner trat 1946 den Dienst an. Der 15. Februar 2021 war zugleich der erste „World Computer Day“, an dem Forscher und Firmen die intelligenten Maschinen feierten. Organisiert wurde das Event vom Compuseum, einem technikhistorischen Verein im ENIAC-Geburtsort Philadelphia; das HNF beteiligte sich mit zwei Videos.

Der heutige 15. Februar ist demnach der zweite Welttag des Computers. 2022 geht es nicht um einen Elektronenrechner, sondern um einen Mikroprozessor, genauer gesagt, um den MOS 6502. Er zählt zu der kleinen Gruppe Chips, die in den 1970er-Jahren auf den Markt kamen und Technikgeschichte schrieben. Das waren neben dem „Fünfundsechzig-nullzwei“ vor allem der Urvater Intel 4004, das EPROM Intel 1701, die Intel-Modelle 8008, 8086 und 8088, der Z80 von Zilog und der Motorola 68000.

Ein Chipsatz mit dem Motorola 6800 unten in der Mitte

Der MOS 6502 wurzelte in einem Vorläufer des 68000, dem Motorola 6800. Der Acht-Bit-Chip wurde 1974 fertig und kostete pro Stück 360 Dollar. Seine Entwickler glaubten, dass man ihn etwas vereinfachen und viel preisgünstiger produzieren könnte. Das Management der Firma sperrte sich jedoch gegen eine abgeänderte Version. Im August 1974 verließen sieben Ingenieure, angeführt von Chuck Peddle, das Motorola-Labor in Arizona. Ihr neuer Arbeitgeber war die kleine Firma MOS Technology im US-Bundesstaat Pennsylvania.

Dort entstanden die vom Motorola 6800 abgeleiteten Prozessoren MOS 6501 und 6502. Am 16. September 1975 zeigte sie Chefentwickler Chuck Peddle auf einer Technikmesse in San Francisco; wer Interesse hatte, konnte sie in einem nahe gelegenen Hotel kaufen und gleich mitnehmen. Den 6501 gab es für zwanzig Dollar, der 6502 kostete fünf Dollar mehr. Im selben Monat brachte die Elektronikzeitschrift EDN einen ausführlichen Artikel über die neuen Chips; hier geht es zu einem 1977 angemeldeten amerikanischen Patent.

Anzeige für die Acht-Bit-Prozessoren MOS 6501 und 6502 vom September 1975

Motorola erfuhr natürlich von den Prozessoren und strengte einen Prozess gegen ihren Hersteller an. Im März 1976 einigten sich die Firmen: MOS stoppte die Fertigung des 6501-Chips, zahlte 200.000 Dollar an den Konkurrenten und gab technische Unterlagen zurück. Außerdem schlossen Motorola und MOS ein Patentabkommen. Das Gerichtsverfahren und eine Krise in der Elektronikbranche blieben nicht folgenlos. MOS rückte der Pleite immer näher und wurde von Commodore geschluckt; die Firma fertigte damals Taschenrechner.

Der MOS 6502 trat aber eine beispielhafte Karriere an. Er lief 1976 im Apple I und 1977 im Apple II, ebenso im MOS-Einplatinenrechner KIM-1, im Commodore PET 2001 und in der fürs Büro gedachten CBM-Serie. Er trieb Spielkonsolen und Heimcomputer von Atari an sowie in den 1980er-Jahren den BBC Micro und den Commodore VIC-20. Der MOS 6502 steckte auch in den frühen deutschen Acht-Bit-Computern Alpha 1, Siemens PC 100 und Elektor Junior. Der direkte Nachfahre MOS 6510 saß im Millionenseller Commodore C64. Weitere Links zum 6502 finden sich – bitte etwas scrollen – auf dieser Seite über den „World Computer Day“.

Der Schuhcomputer von Doyne Farmer

Ein Einzelstück blieb der mit einem MOS 6502 ausgerüstete Schuhcomputer, mit dem der Student Doyne Farmer beim Roulette in Las Vegas gewinnen wollte. Farmer wurde später Mathematikprofessor, sein Rechner ist seit 2014 im HNF ausgestellt. In den 1970er- und 1980er-Jahren teilten MOS-Chips und der Zilog Z80 den Mikrocomputer-Markt unter sich auf; die aufkommenden Sechzehn-Bit-Rechner führten zur Dominanz von Motorola- und Intel-Prozessoren. Den MOS 6502 gibt es aber im Prinzip immer noch, nämlich in Gestalt des WDC 65C02, eines Chips der Firma Western Design Center.

Zurück zum „World Computer Day“. Die Beiträge des HNF  sind Interviews mit 6502-Experten und ein vierteiliges Video mit dem Apple I des Hauses – siehe Eingangsbild. Er wurde schon seit 20 Jahren ausgestellt, doch wusste niemand, ob er funktionsfähig war. An der Wiederbelebung beteiligten sich neben Geschäftsführer Dr. Jochen Viehoff noch Gregor Golombek vom HNF und Rainer Glaschick aus Paderborn. Ob sie glückte, sei nicht verraten, wir weisen nur darauf hin, dass der HNF-Apple keinen MOS 6502 enthält, sondern eine baugleiche Kopie vom Chiphersteller Synertek. Im Foto unten ist sie am „S“ erkennbar.

 

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