Computer im Museum (V) – von ARPANET bis Zuse

Geschrieben am 11.06.2021 von

Der Sommer naht und damit die Urlaubszeit. Wie letztes Jahr reisen wir auch 2021 in die Tiefen des Internet; diesmal geht es zu den Quellen der Computergeschichte. Im Folgenden sehen wir uns online lesbare Literatur über die Entwicklung der Informatik an, außerdem gibt es historische Filme. Steigen Sie also ein zur Fahrt durch den Zettelkasten.

Wer zählt die Bücher, nennt die Namen! Das erste auf unserer digitalen Tour durch die Computergeschichte erschien 1996, die Verfasser waren Katie Hafner und Matthew Lyon. Where Wizards Stay Up Late erzählt von der Geburt das ARPANET, aus dem unser Internet wurde. Die deutsche Version ARPA KADABRA ist leider nicht online. Das Gleiche gilt für die Erinnerungen von Tim Berners-Lee, dem Vater des World Wide Web; sie sind nur im englischen Original greifbar.

Wir hoffen aber, dass Sie die Reise fortsetzen. Der Buchstabe B führt zu Charles Babbage, dem englischen Computervisionär. Auch seine Schriften sind online, sein Sohn Henry gab sie bereits 1888 heraus. Wir finden unter ihnen die Programme, die Babbages Mitstreiterin Ada Lovelace anfertigte; sie stehen im Anhang des zweiten Kapitels. An anderer Stelle können wir Babbages Autobiographie abrufen, und hier geht es zu einer Ada-Vita. Die Amerikanerin Dorothy Stein veröffentlichte sie im Jahr 1985.

Einen wahren Bücherschatz stellten Gordon und Gwen Bell zusammen. Gordon Bell war Chefentwickler der Firma Digital Equipment, Gwen leitete das Computermuseum Boston. Die Sammlung enthält das Grundlagenwerk Rechnen mit Maschinen von Wilfried de Beauclair, das tolle Fotobuch Wizards and Their Wonders und den Aufsatzband Faster Than Thought, den wir im Blog besprachen. Wir empfehlen außerdem Logic Machines and Diagrams von Martin Gardner. Gehen Sie einfach die Titel durch!

CCC ist die Abkürzung für Chaos Computer Club. Zu ihm bietet das Netz viel Lesestoff, von den Hackerbibeln Teil 1 und Teil 2 über das Chaos Computer Buch bis zur Datenschleuder. Hacker gab es ebenso in Bayern; sie lasen natürlich die Bayrische Hackerpost „für den lebensbejahenden DFÜ-Benutzer“ – DFÜ heißt Datenfernübertragung. Streicht man beim CCC ein C, dann landet man im CC-Computerarchiv. Es erfasst Hardware für Nutzer alter Schule; Verzeichnisse für Bürorechner und Mainframes laden zum Schmökern ein.

Das G steht für Geschichtsbücher. Eines der besten brachte 1984 Stan Augarten heraus. Es wurde niemals ins Deutsche übertragen, doch ins Internet gesetzt: Bitte oben BIT BY BIT anklicken und dann ein Kapitel wählen. Online liegen die Lebensgeschichten von Apple-Mitgründer Steve Wozniak und des deutschen KI-Forschers Wolfgang Bibel vor. Nikolaus Joachim Lehmann und Erich Sobeslavsky schilderten die DDR-Informatik bis 1968; ins Detail geht die robotrontechnik. Der cyberneticzoo hütet derweil historische Roboter, und die amerikanischen Hacker feiert das Buch von Steven Levy.

Mit M fängt das Magazin an. Computermagazine deutscher Herkunft hält das Internet Archive bereit; das ist etwa der Ordner für „Happy Computer“. EDV-Zeitschriften der DDR überlebten im Rechenwerk in Halle. Zu den Retro-Leckerbissen zählen sicher die Hefte der „Rechentechnik im Büro“ von 1957 bis 1961. Bekannte amerikanische Magazine sind Datamation und Byte; letzteres gibt es hier ordentlich aufgereiht, doch mit riesigen Dateien. Weniger Speicherplatz füllen die IT-geschichtlichen Artikel der Computerworld.

Auf das M folgen das N und Lebensbilder von Heinz Nixdorf, geschrieben von den HNF-Veteranen Norbert Ryska und Margret Schwarte-Amedick. Von Volker Werb, einem Freund von Heinz Nixdorf, stammt das im Netz lesbare Buch über den Sportsmann und Sport-Förderer. Der Wirtschaftshistoriker Armin Müller analysierte die Beziehung von Nixdorf zur Firma Kienzle, und online ist die Heinz-Nixdorf-Broschüre der Universität Paderborn. Eine Fülle von Prospekten kann man hier durchblättern, und den virtuellen Besuch des Heinz Nixdorf MuseumsForums ermöglicht diese Seite.

Der letzte Buchstabe des Alphabets ist das Z, und damit wären wir bei Konrad Zuse. Seine Schriften verwahren das digitale Deutsche Museum und das Konrad Zuse Internet Archive, es gibt daher viele Doppelungen. Im Blog wiesen wir auf Zuses Memoiren Die Uhr tickt hin. Außerhalb der beiden Sammlungen kann man seine Gemälde anschauen sowie einen Vortrag, den er vor vierzig Jahren bei Digital Equipment hielt. Eine weitere Internetseite richtete Horst Zuse ein; er hält seit Jahren das Gedenken an seinen Vater wach.

Das ABC ist durch, es bleiben noch die Filme. Viele Produktionen über die Informatik sind frei verfügbar, selbst solche deutscher Sprache. So erzählen All Creatures Welcome von Veranstaltungen des Chaos Computer Clubs und der Spielfilm 23 von Hacker-Abenteuern. Auf Englisch entdeckten wir Inside Wikileaks über Julian Assange, The Social Network über Mark Zuckerberg und The Imitation Game über Alan Turing. Der Computerpionier wurde vorher schon von der BBC in Breaking the Code porträtiert.

„Pirates of Silicon Valley“ schildert die Erlebnisse von Steve Jobs, Steve Wozniak und Bill Gates; hier geht es zum ersten und hier zum zweiten Teil. Von Künstlicher Intelligenz in Reinkultur berichten die Dokumentationen AlphaGo und Hi, AI; bei dieser fanden einige Aufnahmen im HNF statt. Unser letzter Streifen ist Lemmy Caution gegen Alpha 60 von 1965 in deutsch synchronisierter Fassung. Bitte unten am Videofenster das Rechteck neben HQ anklicken, damit der Film bildschirmfüllend und ohne Anzeigen erscheint. Es lohnt sich!

Zwei Hinweise: Manche Dateien können zu längeren Ladezeiten führen. Alle Links wurden überprüft. Doch wie es mit Links so ist, sie ändern sich. Wenn Sie also nicht mehr existente oder fehlerhafte Links entdecken, sind wir für jeden Hinweis dankbar.

Alles Gute für Ihren Urlaub!

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4 Kommentare auf “Computer im Museum (V) – von ARPANET bis Zuse”

  1. Rainer sagt:

    Danke für diese Zusammenstellung!

  2. Ulrich Klotz sagt:

    Sehr verdienstvolle Zusammenstellung.
    Danke!

  3. Heiko sagt:

    Alphaville lohnt sich wirklich. Godard sowieso. Lemmy Caution in das Lausitz aber auch. Allemagne neuf zero: https://www.youtube.com/watch?v=K3-V31bBzno

  4. Hier könnte man ein sehr seltenes Werk von Soresini ergänzen, vgl.
    Soresini: A Very Rare Book on the History of Computing | blog@CACM | Communications of the ACM

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