Die Firma die zu früh kam – General Magic

Geschrieben am 20.09.2022 von

Freunde klassischer Technik kennen General Electric und General Motors. Im April 1990 startete im kalifornischen Mountain View die Firma General Magic. Ihr gehörten Entwickler des 1984 erschienenen Apple Macintosh an. General Magic erstellte unter anderem die Software für Vorläufer von Smartphones und Tablets. Am 18. September 2002 verkündete die Firma jedoch das Ende des Betriebes.

In den späten 1980er-Jahren gab es Taschenrechner, Organizer – das waren elektronische Terminkalender – und leicht übergewichtige Mobiltelefone. Wer im Internet eine Mailbox besuchte oder eine Nachricht verschickte, tat es mit dem Computer am Arbeitsplatz oder zuhause auf dem Schreibtisch. Kluge Köpfe sahen aber schon eine Zukunft mit kleinen Geräten, mit denen man rechnen, speichern, telefonieren und kommunizieren konnte.

Ein solcher Visionär war Marc Porat. Wir wissen nicht sein Geburtsdatum, er kam wohl um 1950 oder etwas früher in Israel zur Welt. Die Eltern waren aus Europa eingewandert. 1954 zog die Familie nach England und 1962 weiter nach Amerika. Porat studierte in New York und an der Stanford-Universität; seine Doktorarbeit behandelte 1976 die Information Economy, was man ganz gut mit Informationsgesellschaft übersetzen kann. Drei Jahr später drehte er über dieses Thema einen Film, der im amerikanischen Fernsehen gezeigt wurde.

Das Logo von General Magic  (Foto Computer History Museum)

Ab 1988 arbeitete Marc Porat für Apple. Hier bündelte er seine Ideen in einem Projekt namens Pocket Crystal. Im Mai 1990 startete er, unterstützt von Apple-Chef John Sculley, die Firma General Magic. Sie saß im Silicon Valley in Mountain View. Die Mitgründer waren Bill Atkinson und Andy Hertzfeld, zwei Angehörige des Teams, das einige Jahre zuvor den Macintosh-Computer geschaffen hatte. Eine weitere Macintosh-Veteranin, Joanna Hoffmann, stieß wenig später hinzu. Das Logo der jungen Firma, das Kaninchen im Zylinder, entwarf die frühere Apple-Grafikerin Susan Kare.

General Magic hielt sich einige Jahre bedeckt. Im November 1993 trat sie aber ins Licht der Öffentlichkeit und verriet ein Ziel, einen Smartphone-artigen personal communicator. In einem Video präsentierte die Firma eine eindrucksvolle Riege von Partnern. Bei Minute 3:15 entdecken wir den ehemaligen Nixdorf-Manager und späteren Telekom-Chef Ron Sommer; er vertrat die US-Sparte von Sony. Im Februar 1995 ging General Magic an die Technologiebörse NASDAQ und nahm 96 Millionen Dollar ein. 200 Millionen kamen von Investoren.

Der „Magische Link“ – das Menü zeichnete Susan Kare. (Foto Josh Carter CC BY-SA 3.0)

Bereits im September 1994 hatte die Firma ihr erstes Produkt ausgeliefert. Es war kein Communicator, sondern das Betriebssystem Magic Cap. Es wurde auf dem Magic Link von Sony eingesetzt, einem persönlichen digitalen Assistenten. Das Magischste am Gerät dürfte das eingebaute Modem gewesen sein. Das gleiche Betriebssystem erhielt im Februar 1995 der PDA Envoy von Motorola. Im selben Jahr zeigten die Computer Chronicles den Sony-Link. In der Sendung wird klar, dass es starke Konkurrenz gab.

Die General-Magic-Entwickler träumten weiterhin von einem tragbaren Kommunikator. Das beweist ein Video mit Andy Hertzfeld von 1995: Hier kündigte sich wirklich das Smartphone an. Bei den Produkten blieb das Unternehmen im Software-Bereich. Zu nennen sind die Programmiersprache Telescript und der Sprachassistent Portico. Zu ihm existiert ein Film aus dem Jahre 1998 und mit einem Mobiltelefon. Das geführte Telefonat bezog sich auf einen damaligen Politskandal. 1999 unterstützte General Magic den Fast-Namensvetter General Motors beim Dialogsystem OnStar.

Der Envoy von Motorola (Foto Blake Patterson CC BY 2.0 seitlich beschnitten)

Die finanzielle Situation war aber schlecht; das Gleiche galt für den Börsenkurs. 2002 kam das Ende. Im zweiten Quartal des Jahres verzeichnete General Magic einen Umsatz von 2,1 Millionen Dollar und einen Verlust in Höhe von 5,4 Millionen. Am 18. September 2002 gab General-Magic-Chefin Kathleen Layton die Schließung bekannt – Marc Porat hatte die Leitung des Unternehmens schon 1996 niedergelegt. Bis 2004 wurde es abgewickelt, die meisten Patente erwarb Microsoft-Mitgründer Paul Allen.

Angestellte von General Magic machten dann woanders Karriere; sie wurde auf diese Weise zur wichtigsten dead company im Silicon Valley. Tony Fadell ging zu Apple und half bei der Entwicklung von iPod und iPhone. Andy Rubin zählte zu den Urhebern des Smartphone-Betriebssystems Android. Auch Pierre Omidyar, der Vater von eBay, arbeitete einige Zeit bei General Magic. In jüngster Zeit weckte ein Dokumentarfilm erneut Interesse an der Firma. Im Internet verfügbar sind die Erinnerungen von Joanna Hoffman sowie ein Treffen der Gründer im Jahr 2018 im Computer History Museum. Ganz verflogen ist die Magie also nicht.

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Ein Kommentar auf “Die Firma die zu früh kam – General Magic”

  1. Gabriele Sowada sagt:

    Danke besonders für den Link zum Film „1980 Documentary Predicts The Information Age“ von Marc Porat!

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