Mehr als Mäuse – 40 Jahre Logitech

Geschrieben am 01.10.2021 von

Am 2. Oktober 1981 entstand die Schweizer Firma Logitech. Gründer waren der in Neuchâtel geborene Daniel Borel und die beiden Italiener Giacomo Marini und Pierluigi Zappacosta. Der Firmensitz war das Dorf Apples westlich von Lausanne. Ende 1982 zeigte Logitech auf einer Messe in Las Vegas seine erste Computermaus. Daraus wurde in vierzig Jahren ein Milliarden-Dollar-Unternehmen.  

Wir erzählten es im Blog: 1968 wurden bei uns und in den USA die ersten Computermäuse vorgestellt. Die „Rollkugel“ gehörte zur Peripherie des Großrechners Telefunken TR 440, eine „mouse“ erhielten die Alto-Minicomputer im kalifornischen Forschungszentrum PARC. Die Firma Xerox, Betreiber des Zentrums, brachte 1981 den Bürocomputer Star heraus. Tausende User erlernten an ihm die Mausbedienung, und die Technik wurde bekannt.

Am 2. Oktober 1981 kamen drei Informatiker zusammen und gründeten die Firma, die zum größten Maus-Produzenten der Welt werden sollte. Der 31 Jahre alte Daniel Borel stammte aus Neuchâtel in der französischen Schweiz. Er studierte Ingenieurwissenschaften an der Hochschule Lausanne und erwarb 1977 den Informatik-Master in Stanford. Der ein Jahr jüngere Giacomo Marini kam aus einem Dorf in Mittelitalien in der Abruzzen-Region. Nach dem Studium in Pisa sammelte er Berufserfahrung bei Olivetti und IBM.

Der 31-jährige Pierluigi Zappacosta wurde in der alten Abruzzen-Stadt Chieti geboren. Er studierte in Rom und danach an der Stanford-Universität, wo er Daniel Borel traf. Die beiden entwickelten zunächst für ein Schweizer Unternehmen eine Software zur Textverarbeitung. Dann stieß Giacomo Marini hinzu; zu dritt ging man eine Studie für ein Grafik-Programm an. Das Projekt bezahlte der japanische Konzern Ricoh. Es folgte die Firmengründung; der Name Logitech war eine Abwandlung des französischen Wortes Logiciel, das Software bedeutet.

Daniel Borel 2008 (Foto Marcin Wichary CC BY 2.0 seitlich beschnitten)

Das Hauptquartier des Start-ups war der Bauernhof des Schwiegervaters von Daniel Borel; er lag im Dorf Apples fünfzehn Kilometer westlich von Lausanne. Anfang 1982 wies Logitech einen Prototypen des Grafik-Programms vor, und Ricoh erteilte den Auftrag zur Entwicklung. Kurz darauf wurde eine Logitech-Filiale im Silicon-Valley-Ort Palo Alto eingerichtet. Die drei Gründer wussten damals schon von der Existenz der Computermaus und fragten sich, ob man sie nicht für das geplante Grafik-Programm nutzten könnte.

Vor vierzig Jahren gab es nicht nur die Alto- und die Star-Mäuse und die Rollkugel von Telefunken, sondern auch die souris der École polytechnique fédérale de Lausanne. Das erste Exemplar schuf 1973 der Informatik-Professor Jean-Daniel Nicoud. 1979 entwickelte er mit dem Feinmechaniker André Guinard das Modell P4. Eingesetzt wurde es ab 1980 bei der Workstation Lilith von Niklaus Wirth. In einem Video erläuterte Nicaud die Maus-Familie. (Achtung, der Bild-Ton-Gleichlauf des Films bessert sich nach den ersten Minuten.)

Die Ur-Maus von Logitech im Museum (Foto Yves Bolognini & Musée Bolo CC BY-SA 2.0 FR seitlich beschnitten)

Bei der P4 verblüfft die Ähnlichkeit zur deutschen Rollkugel, doch könnte Jean-Daniel Nicoud von selbst auf die Form gekommen sein. Die Logitech-Maus enthielt wie die von Telefunken eine Kugel, doch wurden ihre Drehungen durch eine optische Vorrichtung abgenommen. Die  P4 wurde ab 1982 von Logitech vermarktet; ihre Fertigung übernahm der Uhrenhersteller Dubois Dépraz in Le Lieu nahe der französischen Grenze. Ende 1982 zeigte Daniel Borel die Maus auf der Computermesse Comdex in Las Vegas.

Die P4 kostete 299 Dollar; angesprochen wurden zunächst Computerhersteller. 1983 lieferte Logitech 500 Stück pro Monat an den Minicomputerbauer Apollo, 1984 produzierte sie für Hewlett-Packard ein abgeflachtes Modell. Im selben Jahr erhielten die Metaphor Computer Systems eine kabellose Maus. Im Dezember 1985 bot Logitech unter eigenem Namen und für 99 Dollar die C7 an; im ersten Monat gingen 800 über den Ladentisch. So begann im freien Handel wie in der Fertigung für Dritte die Erfolgsgeschichte der Schweizer Firma.

Die Schweizer Logitech-Zentrale ist in Lausanne (Foto), die Firmenspitze sitzt in Kalifornien.

1996 hatte Logitech 100 Millionen Mäuse verkauft. 2003 waren es 500 Millionen; 2008 fiel die Milliardengrenze. 1988 stellte die Firma einen Scanner vor, 1989 folgte ein Trackball. 1991 erschien die Digitalkamera FotoMan, 1994 der Joystick WingMan. Mit dem VideoMan stieg Logitech 1995 in den Markt der Webcams ein. Die QuickCam von 1998 wurde durch ihr Augapfel-Design zu einem der bekanntesten IT-Artikel. Im 21. Jahrhundert vergrößerte sich die Produktpalette erheblich – für Details bitte die Internetseite konsultieren.

Von 1982 bis 1988 und von 1992 bis 1998 leitete Daniel Borel das Unternehmen. In den späten 2000er-Jahren geriet Logitech in die Krise und nahm Entlassungen vor. Ein Grund war die abnehmende Nachfrage: Smartphones und Tablets brauchen keine Mäuse. Ab 2013 brachte der Amerikaner Bracken Darrell die Firma in die Gewinnzone zurück. 2020/2021 setzte Logitech 5,25 Milliarden Dollar um; der Verdienst lag bei knapp einer Milliarde. Unser Eingangsbild oben kommt von Logitech International SA; unten sind noch Produktfotos. Zum 40. Geburtstag wünschen wir dem Unternehmen alles Gute und weitere erfolgreiche Jahre.

Eine durchsichtige P4-Maus. (Foto Enter Museum CC BY-SA 4.0 seitlich beschnitten)

Maus für einen Hewlett-Packard-Computer. (Foto Rama CC BY-SA 3.0 FR seitlich beschnitten)

Modell Logitech M-MD15 für einen unbekannten Auftraggeber.

Ein Trackball und eine laserbestückte Performance-Maus.

Spezialmodell für jüngere Computernutzer.

Die SpaceMouse stammte aus der deutschen Raumfahrttechnik und wurde zunächst von der bayerischen Firma LogiCad3D verkauft. Später bot auch Logitech das Modell an.

Die iFeel-Maus vibriert, wenn sich der Cursor bei einem Link befindet.

Mit der MX Air kann man den Computer durch Gestikulieren im Raum steuern.

 

 

 

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3 Kommentare auf “Mehr als Mäuse – 40 Jahre Logitech”

  1. Eine schöne Unternehmensgeschichte jenseits der großen Stories über IBM, Univac oder Apple – und gleichzeitig doch ganz eng mit ihnen verbunden.

  2. Herbert Bruderer sagt:

    Die richtigen Bezeichnungen für die technische Universität in Lausanne lauten:
    Eidgenössische Technische Hochschule (ETH) Lausanne
    oder
    École polytechnique fédérale de Lausanne (EPFL).

  3. Danny Richter sagt:

    Sehr schöne Erläuterung über das Unternehmen, was uns Alle seit Jahrzenten begleitet.
    Das Modell Logitech M-MD15 wurde damals in Auftragsfertigung für die Actebis GmbH bzw. AID (Eigenmarke TARGA) hergestellt.

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